Dialog

Seit der Mittagspause tragen die Rosen wieder Leichtigkeit.
Rosen sind unverwüstlich sagte der Geliebte einst. Vielleicht
bist du eine Rose. Wahrscheinlich bin ich eine Rose, erwiderte ich einst,
denn erst mit dir kam die Leichtigkeit, nicht nur am Mittag. That‘s why
these are the good new days and I think I’d like to stay.

Die ganze Hälfte

So lange schon liebe ich die Hälfte von dir:
Sie kehrt immer wieder zu mir zurück,
ich liebe dich halb und ganz.

Die Dürre ist Wasser,
die Worte sind immer auch Stille,
die Sehnsucht zur Hälfte Eis.

Weil ich dich nur so ganz lieben kann:
I couldn’t be better off than with you, my love
als mit der Hälfte von dir,

die mein Ganzes ist.

Hidden Pleasures

Freundlich lächelnd funkelt mich dein Ehering an,
als ich seufzend deine Finger küsse.
Ich will in deine Hände kommen! sage ich,
draußen im Privatpark sage ich, dort will ich kommen,
wenn der Junirregen einsetzt und der
alte Kastanienbaum gegenüber uns zusieht.
Die Sonne verteilt ihr nachmittägliches Licht
über meinen Schreibtisch und nun
lachen deine Augen,
neben mir auf dem Sofa, wie immer
ist unsere schönste Zeit jemals
genau dieser Moment, in dem du mich ansiehst.

Slow Motion

Nature spread a slow-motion movie
Across the city I miss my fellow humans
I of all people!

The air lies on my chest
Like an elephant’s foot and my empty words
Dangle bare from the trees

When will all this end I wonder

When


Sometimes it takes much longer before inspiration sets in with the twiglets but it finally did :)
(This one was #175, „it hangs bare“)

Wie ein Mann

Du benimmst dich wie ein Mann, sagte die Mutter, dieselbe Mutter, die statt des zweiten Enkelkindes lieber eine politische Karriere gesehen hätte. Du bist ein halber Kerl, sagte der Ehemann, während sie nur lieben wollte und geliebt werden, leicht und glitzernd, und nun zurückblieb, zerknickt wie die Äste nach dem Sturm, und müde, so müde. Meine Großmutter hätte es als Kompliment gemeint, tröstete Alex, das mit dem Kerl, und sie dachte vielleicht ist es nicht das Schlechteste, wenn ich ein Kerl bin, ein zäher, mutiger in der Gestalt einer sinnlichen Frau.

Wir sind viele
Anders als sie uns wollen
Aber das Blau bleibt

am meer

werden möwen jemals müde und wenn,

wo ruhen sie dann? jeder wassergeschliffene stein ist

eine erinnerung an deine hand, die mich streichelt,

und an das leben, das wir kannten.

Fallobst (10)

Wie viele graue Haare du bekommen hast, als uns die Zeit lang wurde, silbrig glitzern sie zwischen meinen Fingerspitzen. Noch ist das Licht fern und kalte Luft flutet das Zimmer.

Fallobst (9)

Der Alltag ist noch nicht wieder angekommen, nur in der Küche ist alles wie immer. Die kalte Sonne schmilzt den Rauhreif fort.

Nachbarschaft

Als ich nach Hause kam, stand die große Große hektisch telefonierend im Flur.

Sie versorgte in diesen Tagen die Katzen der Nachbarsfamilie im Stockwerk über uns und die hatten aus Protest gegen die Abwesenheit der Menschen die Menschenbetten als Katzenklo benutzt. Meine Tochter zog die eingesaute Bettwäsche ab, wusch sie in der Waschmaschine der Nachbarn und tat sie in den Trockner. Dann zog sie die Tür hinter sich zu und ging wieder runter. Klassischer Blackout – die Schlüssel der Nachbarn als auch ihren eigenen ließ sie im Flur liegen.

Ein weiterer Schlüssel war nirgendwo hinterlegt, die Nachbarn weilten gut 500 km weit weg. Ich hatte einen schwierigen, langen Arbeitstermin hinter mir und große Sehnsucht nach nur noch kochen, essen und ins Bett. „Die Katzen sind ja gefüttert“, sagte ich schulterzuckend. „Dann musst du morgen den Schlüsseldienst holen, nützt ja nix“.

Sie telefonierte weiter mit den Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr und beratschlagte Möglichkeiten, in die Wohnung zu kommen. Eine ausfahrbare Leiter in den Hof? Abseilen? Die Terassentür stehe auf. „Lasst den Quatsch“, sagte ich. (Ich zucke jedes Mal wieder zusammen, wenn ich „Kameraden“ höre, aber so heißt das).

In unser spätes Abendessen schlug dann eine weitere Nachricht der Nachbarin ein: der Trockner stelle sich nicht von selbst aus. Google vermeldete, dass Wohnungsbrände hauptsächlich durch defekte Haushaltsgeräte verursacht würden und ein Drittel davon durch – Wäschetrockner. Der Trockner lief zu diesem Zeitpunkt seit mehr als zwei Stunden.

Der Mann vom Schlüsseldienst kam nach einer guten halben Stunde und stellte nicht die Frage, ob die Öffnung der Wohnung mit Zustimmung der abwesenden Bewohner erfolge. Er befestigte eine Art Stemmeisen an der Tür, zog und rüttelte, um dann zu verkünden, die Tür sei abgeschlossen! Wir hätten doch gesagt, das sei sie nicht! „Ich habe nicht abgeschlossen!“, erwiderte meine Tochter, während mir durch den Kopf schoss, ob sie vielleicht die Schlüssel doch mit rausgenommen und es nur vergessen hätte.

Die Holztür sah aus, als würde sie die Aktion nicht überleben. Ich dachte laut darüber nach, die Katzen einfach irgendwohin zu verschenken, wo sie artgerechter gehalten würden als eingesperrt in einer Großstadtwohnung. Den Nachbarn würden wir dann einfach sagen, sie seien leider gestorben. So traurig! Das würde uns zukünftig solche Probleme ersparen, win-win quasi. Der Schlüsselmann sah mich an, als sei ich unzurechnungsfähig.

Ich überließ ihn und die anderen ihrem Schicksal und gesellte mich zur kleinen Großen, deren Nerven das alles noch weniger aushielten als meine. Aber gleich darauf war die Tür geöffnet (und noch heil). Zwei Schlüsselbunde lagen im Flur auf der Kommode. Der Trockner wurde abgestellt und der Schlüsselmann stellte mir 115 EUR in Rechnung. Der Schweiß auf meiner Stirn trocknete nur langsam.

„Hast du die gestreifte Katze heute schon gesehen?“, fragte die Nachbarin meine Tochter am Abend ihrer Rückkehr. Es wäre also gar nicht aufgefallen.


Inspiriert von und mit Grüßen an Die gnädige Frau, die sich wundert (und kürzlich auch über Nachbarinnen schrieb).

(b) 2019

Aber zuerst möchte ich

Aber zuerst möchte ich diese Stelle küssen, dort zwischen Haar und Ohr, wo du ganz besonders wie du schmeckst und die ungesagten Liebeserklärungen meine Nase kitzeln.