Männer und Frauen

Ich habe spät Autofahren gelernt. Ich war schon kurz über vierzig Jahre alt, als ich die Angst davor einigermaßen bezwang. Ich halte mich penibel an Geschwindigkeitsbeschränkungen – immer aus dem Gedanken heraus, dass die vermutlich ihren Sinn haben, um unfallträchtige Situationen zu vermeiden. Außerdem macht mir alles, was schneller als 100 km/h ist, im Grunde immer noch Angst.

Einmal ist immer das erste Mal

Im letzten Sommer war es dann aber soweit. In Gedanken schon am Urlaubsziel angekommen, übersah ich auf einer Bundesstraße die Herabsetzung des Tempolimits von 70 auf 50 Stundenkilometer und wurde geblitzt. Ein paar Wochen später bekam ich Post von der Bußgeldstelle des zuständigen Landkreises. Anders als erwartet, trug das Schreiben allerdings die Überschrift „Zeugenfragebogen“. „Aufgrund der bisherigen Feststellungen kommen Sie für den vorgenannten Verstoß als verantwortlicher Fahrzeugführer/als verantwortliche Fahrzeugführerin nicht in Betracht“, hieß es auf schönstem geschlechtergerechten Verwaltungsdeutsch. „Zur Ermittlung des/der Betroffenen werden Sie daher als Zeuge/als Zeugin gehört und gebeten, den Namen und die Anschrift des Fahrzeugführers/der Fahrzeugführerin auf der Rückseite dieses Schreibens anzugeben“. Großartiger Satz, dachte ich, aber warum bin ich hier Zeugin?

Zeugin?!

Ein kleines, etwas dunkles Foto von mir am Steuer prangte gleich neben dem Aktenzeichen. Ich rief unter der im Briefkopf angegebenen Nummer an und erklärte, dass ich die Fahrerin gewesen sei und das Bußgeld überwiesen habe. „Ja … ach so“, sagte der Beamte am anderen Ende. „Der Kollege sieht halt jeden Tag hunderte solcher Fotos. Da kann man mal irren“. Ich verstand immer noch nicht. Bevor ich aber fragen konnte fuhr er fort: „Wenn uns die Mietwagenfirma einen weiblichen Namen gibt und der Kollege hier <männlich> einträgt, erklärt der Computer Sie eben zur Zeugin“. Rätsel gelöst, sagte ich und lachte im Stillen. Die Zeugin ist der verantwortliche Fahrzeugführer im Sinne der Straßenverkehrsordnung und nach den Gesetzen der Biologie ist der Mann eine Frau. Gut, dass wir drüber gesprochen haben.

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