Kinder im Büro

Das Käseblatt der Handelskammer veröffentliche vor einer Weile einen Artikel über „familienfreundliche Unternehmen“. Der Geschäftsführer einer IT-Firma wurde mit den Worten zitiert, „selbst er“ nehme mitunter seine Kinder mit ins Büro, „wenn es gar nicht anders geht“. Da sei gar kein Problem. Sein Unternehmen wurde als „familienfreundlich“ ausgezeichnet. Dann ist ja alles gut mit der vielzitierten Vereinbarkeit von Beruf und Familie, dachte ich.

Es war der Beginn der Osterferien und meine Kinderfrau hatte sich kurzfristig krank gemeldet. Ich hatte einen Termin mit einem Geschäftsführer einer halbwegs großen Firma, mit dem ich mir schon länger gemeinsame Geschäfte erhoffte. Den wollte ich ungern verschieben.

Also saß Tochter Zwei geduldig und gelassen mit mir im Konferenzraum, wartete mit mir auf den Mann, der mit Verspätung kam, und zeigte sich von ihrer freundlichsten Seite, als er da war. Lauschte unserem Gespräch, malte und sagte kein Wort. Der Mann beteuerte zu wissen, wie das sei, das Leben mit Kindern. Er habe selber drei. Ja, schon klar, dachte ich. Du weißt wie das ist, wenn einen morgens die Kinderfrau versetzt.

Irgendwann fragte er Tochter Zwei, was sie gemalt habe. Ihr Bild zeigte eine Art Kugeln, die rundherum Zacken hatten. „Das sind Kampfsterne“, antwortete sie. „Kampfsterne. Aha.“, meinte er. „Und das hier?“. „Das ist ein Hotel“, sagte sie mit einem Lächeln. „Da dürfen nur manche rein. Wenn da welche reingehen, die nicht rein dürfen, werden sie von den Kampfsternen zu Brei zermust“. Der Mann, der gerade noch beteuert hatte zu wissen wie Kinder so sind, guckte deutlich irritiert und stellte keine weiteren Fragen. Kampfsterne! Zu Brei zermusen! Ich lachte noch drei Tage später über die rabiate Fantasie von Tochter Zwei, die äußerlich sehr der Typ „blonder Engel“ ist.

„Hoffentlich kamen alle Kampfsterne ins türkische Hotel hinein … und mussten nicht am Strand schlafen“, kommentierte meine Freundin ein paar Tage später, als ich ihr davon erzählte – die Kinder waren inzwischen mit ihrem Vater verreist. „Tja“, schrieb ich zurück. „So viel zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie“.

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