Herbst

Die Luft riecht nach Herbst
früh am Morgen, als ich den Kopf
aus dem Fenster lehne. Schlafverwirrt noch
erinnere ich den Orgasmus, der die Schienenbeine
hinunter rann, bis ins äußere Ende der Zehen.

Jeder Gedanke an dich ist ein Stein,
den ich vom Meer mitbrachte, glattschwarz
mit kühlender Wärme.

Da liegt er in den wartenden Strandkörben,
ein kleiner Haufen aus Steinen. Mein Herz holt sie später
wieder hervor & erinnert sich, dann und wann,
immer morgens am offenen Fenster.


Mein vierter Beitrag zu #SepteMeer. Weitere Texte aus diesem Sommer, die das Meer inspiriert hat, findet ihr in den Sommerminiaturen, zum Beispiel hier.

Strandkörbe im Herbst_2

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Stehen bleiben

Die melancholische Zeit beginnt wieder.
Das Kino im Park wird abgebaut &
die Tage sind rar, an denen
der Himmel genauso glitzert wie die Stadt.

Was wäre wenn ich an der grünen Ampel einfach stehen bliebe?
Einmal noch, in der Sonne, die nie so ist wie im September,
lasse ich die Bewegung der anderen einfach an mir vorbeiziehen
& später, später wenn ich den Kopf leer geschaut habe;

nehme ich den nächsten Zug ans Meer & bin fort.
Das Telefon habe ich in den Papierkorb geworfen, die Kleider auch,
so stehe ich nackt im Sand, die Füße kalt während der Wind die Haut küsst,
als ich die Brandung bitte, meine Tränen zu trocknen.

 


Mein dritter Beitrag zu Kikis #SepteMeer Projekt. Ich bin ja eine langsame Schreiberin, so dass ein wöchentlicher Beitrag für meine Verhältnisse schon geradezu #bingecreating darstellt.

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Trauer

Das Bild will aus meinem inneren Auge nicht weichen;
das Bild von unserem letzten Kuss. Etwas verdeckt

hinter der Wand der großen Wohnküche,
um die Gefühle des Lebensgefährten zu schonen.

(Die Wirren der Liebe enden erst mit dem Ende
& nicht ganz kurz davor).

So schnell will die Traurigkeit nicht weichen, sie soll
auch nicht weichen, verginge sie jetzt,

es fühlte sich an wie dich zu verraten,
als könntest du nicht mehr wichtig sein.

Leben, ich vermisse dich schon jetzt –
Tod, ich will dich nicht mehr sehen, aber

du liegst zu meinen Füßen &
siehst mit großen Augen zu mir hoch.

Ich wünsche mich zurück ans Meer, dorthin, wo das Wasser beides vereint,
dorthin, wo die Wellen meine Trauer verschlucken.

Mein zweiter Beitrag im Rahmen von Kikis #SepteMeer Projekt. Ein wenig traurig, aber – can’t help it, manchmal ist es so.

Das Wiedersehen (2)

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Das Rauschen, Knarzen, Knacken des Meeres habe ich noch im Ohr,
das Gefühl der langsam erschlaffenden Haut deines Halses
noch auf den salzverschmierten Lippen, den Blick auf den Sturm gerichtet.

Sehr beruhigende Gedanken, als ich – unvermittelt matt und kränklich –
wie im Trance wieder am Schreibtisch sitze, so,
wie es schon seit Wochen geht, nur unterbrochen durch dich.

Immer wieder bin ich anders verliebt, aber doch gleich, immer wieder
ist deine Berührung anders gleich erregend und tröstlich, sowieso, vor allem aber
wenn ich vor dem Strandkorb sitzend die Wünsche laut ausspreche –
manchmal lachst du leise, deine kleinen Falten scheinen zu glitzern.

Manchmal muss ich prüfen, ob ich mich nicht selbst um Wünsche betrüge,
weil ich sie vielleicht gar nicht kenne und der Srandkorb erweist sich als guter Ort für den Wünschetest.

Als du verstehst lache auch ich, während das Meer ein Echo aus Glück zurück wirft.


Dies ist mein erster Beitrag zu Kikis #SepteMeer Aktion –  zeichnen kann ich ja leider gar nicht, aber schreiben :)

 


Sommer-Miniaturen (10)

 

Kein Gedanke an dich, den ganzen Tag nicht,
ausnahmsweise.
Dann am Abend schlich einer sich ein und
ich malte mir aus, wie wir uns wiedersehen.
Dass ich dir sagen werde, wie sehr ich mich freue,
wie ich lachen werde: Ich habe schon geübt!
Wenn du beim Baden in der Ostsee frieren wirst; ich stellte mir vor
dass ich deine Hand unter meinem T-Shirt spüren will, sofort.